Die Entwicklung geht in Schritten und Sprüngen!

Pädagogische Sprachgestaltung

Durch die Bewegung lernt das Kind seine Leiblichkeit zu ergreifen und zu durchdringen als Erdenbürger.
Durch die Sprache wird das Kind Teil einer sprechenden, sich austauschenden Menschengemeinschaft.
Durch die Gedanken kann das Kind sich und die Welt verstehen lernen und seinen Weg darin finden.

In der Waldorfpädagogik spielen Bewegen, Sprechen und Denken eine zentrale Rolle, weil diese drei Tätigkeiten wie Pforten sind, durch die der Mensch sich mit der Erde leiblich, seelisch und als Individualität verbinden kann. Der Erzählstoff, der durch die Klassenstufen hindurch behandelt wird, drückt dies sehr deutlich aus. Die Sprachgestaltung und die Eurythmie bringen diese Elemente zum Leben.

1. Klasse

In der ersten Klasse steht das Märchen zentral im Erzählstoff. Das Märchen ist eine einheitliche Welt, in der Gut und Böse ihren Platz haben. So wird das Gefühl vermittelt, dass die Welt gut und gerecht ist. Das Kind lernt die hörbaren „Laute“ kennen und unterscheiden. Das Gehörte wird sichtbar als „Buchstabe“. Im Alphabet leben die Laute gleichberechtigt nebeneinander, im Wort erhält dann jeder Buchstabe seinen Platz.
Die Sprachgestaltung kann hier mit den gesprochenen Lauten, mit dazu gehörigen Gesten, Bildern und kleinen Lautübungen wunderbar unterstützend wirken, sodass der einzelne Laut lebendig wird und sich schließlich in einen sichtbaren Buchstaben verwandelt.

2. Klasse

In der zweiten Klasse werden die Heiligenlegenden und die Fabeln zum Mittelpunkt des Erzählstoffes. Aus der Einheit in der ersten Klasse wird die Zweiheit: der einerseits strebsame, tugendhafte Mensch -der Heilige- wird neben den saftig egoistischen Menschen, ausgedrückt im Fabeltier, gestellt. Hier kann die Sprachgestaltung die Kinderseele mit dem edlen Sonnengesang von Franziskus von Assisi in Ehrfurcht versetzen und mit lustigen Tiergedichten und Fabeln Stimme und Geste in Bewegung bringen.
Durch schnelle und langsame Artikulationsübungen mit Hand- und Fußbewegungen wird weiter an der Sprache gefeilt und geschliffen. Dies ist eine Tätigkeit, die unmittelbar einfließt in das Lesen und Schreiben lernen! Wenn ein Kind nicht deutlich spricht, hat es mehr Probleme mit dem Buchstabieren und der Rechtschreibung.

3. Klasse

In der dritten Klasse steht die Schöpfungsgeschichte und die Geschichte des jüdischen Volkes, das alte Testament, im Mittelpunkt. Andererseits sind die Handwerker und das Handwerk ein Thema. Wie ist die Welt entstanden aus dem Gesichtspunkt der jüdischen Mythologie heraus? Wie schaffen die Menschen mit ihren Händen weiter an dieser Welt? Die Kinder sprechen jetzt Texte aus der Bibel, sowie viele schöne Handwerkersprüche, die meist sehr rhythmisch sind und an denen sie die einfachen Rhythmen, wie den Jambus und Trochäus sehr gut erleben können. Die Konsonanten als die Handwerker und die Vokale als die Sänger bleiben ein Thema der Sprache!

4. Klasse

In der vierten Klasse wird die Schöpfungsgeschichte noch einmal erzählt aber jetzt aus der Sicht der germanischen Mythologie heraus, der „EDDA“. Das Kind befindet sich in dieser Zeit in einer Art „Umstülpungsprozess“, auch „Rubicon“ genannt. Bis zu diesem Zeitpunkt fühlte sich das Kind von seiner Umgebung getragen und geleitet. Es wurde noch, wie eine „Marionette“ geführt. Zwischen dem neunten und dem zehnten Lebensjahr stülpt sich dieses periphere Bewusstsein um in ein von innen geführtes Erleben wie bei der „Handpuppe“, dem Kasper! Diese von innen nach außen und von unten nach oben geführte Kraft wird unterstützt durch den kraftvollen Stabreim in der EDDA. Jetzt kann der Sprachgestalter mit Bewegungen wie Stampfen und Strecken sowie mit Stäben, Bällen und mit dem Stockfechten an der Kraft der Sprache in der Kinderseele arbeiten. Ein wahres Fest! Das Kind wird das Zentrum seiner Welt.

5. Klasse

In der fünften Klasse wird erst eine Geschichtsreise gemacht durch den altindischen, persischen, ägyptischen und griechischen Kulturkreis. Die Menschheit in ihrer Entwicklung wird besprochen. In der Sprachgestaltung ist, neben den Sprüchen aus all diesen alten Kulturen, das rhythmische Sprechen ein Jahresthema. Erst werden die Rhythmen in den Namen der Kinder untersucht und dann in verschiedensten Gedichten und Texten. Das mündet in das Sprechen des“Hexameter“, eines griechischen Versmaßes, dass wir aus der Odyssee von Homer kennen. Die Schüler sprechen diese Texte, während sie in einem großen Kreis vier Schritte nach innen und nach aussen gehen. Dieser Rhythmus birgt das Geheimnis von 1 zu 4 in sich: der Rhythmus zwischen Herzschlag und Atem im Tiefschlaf -vier Herzschläge während wir einmal ein- und ausatmen. In der vierten Klasse finden die Schüler zu sich und in der fünften Klasse ordnen sie sich wieder in gemeinsame Rhythmen und kosmische Gesetze ein!

6. Klasse

In der sechsten Klasse wird die römische Geschichte erzählt. Die Eroberung und das Organisieren eines großen Teils des europäischen Festlandes. Die Schüler haben in diesem Alter etwas königliches. Innen und Aussen scheinen einen Augenblick im Gleichgewicht zu sein. In der Sprachgestaltung werden jetzt Erde, Wasser, Luft und Feuer in der Poesie behandelt. Es donnert und blitzt, strömt und stockt in der Klasse. Die Elemente toben und beruhigen sich wieder. Auf eine nicht persönliche Art und Weise werden große emotionelle Bewegungen gemacht als Vorahnung auf das, was zukünftig in der Pubertät in der Seele ausbrechen wird. Die Schüler in diesem Alter können sich vielfach noch ungehemmt durch die großen Bewegungen der Elemente mitnehmen lassen. Eine Freude für einen Sprachgestalter!

7. Klasse

In der siebten Klasse werden die Entdeckungsreisenden in den Mittelpunkt des Erzählstoffes gerückt. Die Welt wird erobert, die Globalisierung beginnt. In der Sprachgestaltung steht jetzt das „Ur-Ei“ der Poesie auf dem Programm, die Ballade. Da wird einiges durchlitten und ab und zu auch gelacht. Jetzt gilt es, die Stimme in Bewegung zu bringen, um verschiedenste Stimmungen ausdrücken zu lernen. Einige Schüler sind in sich befangen und wollen sich seelisch nicht mehr äußern. Aber viele lassen sich noch mitnehmen in diese meistens dramatischen Geschichten in Dichtform. Die Ballade wechselt oft krass zwischen gefühlvollen, lyrischen Emotionen, beschreibenden epischen Passagen und dramatisch heftigen Szenen. Das fordert viel vom Sprachgestalter und von der Klasse. Aber wenn es gelingt, erleben die Schüler unvergessliche,
sprachliche Feinschmeckereien!

8. Klasse

In der achten Klasse findet die Krönung der Mittelstufe, das Klassenspiel, statt. Bis jetzt wurde die Welt durch die Dichtkunst verzaubert. Jetzt sind die Schüler selber „verzaubert“, wenn sie in ihre Rollen eintauchen. Sie müssen auf die Bühne gehen, in einem großen Raum laut und deutlich sprechen, sich in ihre Rollen einleben und gestikulieren. Hinter der Bühne muss alles durchorganisiert sein, wie auf einem Schiff auf hoher See. Ein jeder muss zum rechten Augenblick das Richtige tun. Gibt es eine größere Polarität zur pubertären Lage, in der die Schüler sich gerade befinden? Ich glaube kaum. Das Klassenspiel ist eine gewaltige Geburtshilfe, um all dasjenige, was in den Schülern gerade seelisch hochkocht, künstlerisch zu gestalten und schauspielerisch herauszufordern. Es ist ein genialer Griff im Waldorflehrplan gerade in diesem Alter, vor vollen Sälen mit Schülern, Eltern und Lehrern, so eine Leistung zu fordern. „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, der Vorhang geht auf und ich muss hier und jetzt zeigen, was ich monatelang mit meiner Klasse zusammen vorbereitet habe…“ Großartig!

9.-12. Klasse, Oberstufe

In der Oberstufe kommt die Welt mit großen Schritten ins Klassenzimmer hinein. Der Schüler muss lernen allem, was er kennenlernt, durch eigene Worte, mit eigenen Gedanken und – besonders im Kunstunterricht – auch durch eigene Gefühle Ausdruck zu verleihen. Das Thema Rhetorik wird hier groß geschrieben! Bis zum mündlichen Abitur wird der Schüler dazu aufgefordert ein Ausdruck der Welt zu werden, in seinen Worten und seiner Rede. Die Poesie kann in diesem Alter Großes leisten, wenn die Schüler im Chor oder einzeln etwas vortragen. Ein letzter pädagogisch einschneidender Griff ist das Zwölfklassenspiel. Der Schüler lernt sich jetzt nicht mehr primär selbst kennen, wie es beim Klassenspiel der achten Klasse der Fall war, statt dessen sollte er lernen sich in eine andere Persönlichkeit als die Eigene, einzuleben. Nicht das Ego, sondern die Rolle muss hier zur Geltung kommen. Der Sprachgestalter wird jetzt in der Oberstufe zum Regisseur, Coach und Lehrer für Rhetorik.

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